Zeit der großen Fluchtbewegung 2015
Sprache verbindet Menschen
Als 2015 viele Menschen vor Krieg, Gewalt und Verfolgung nach Deutschland flohen, wollte ich meinen Beitrag leisten.
Ich habe als Lehrkraft für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache gearbeitet und Menschen beim Ankommen in Deutschland begleitet. Darunter waren Frauen und Männer, die in ihrer Heimat alles verloren hatten. Manche konnten in ihrer Muttersprache weder lesen noch schreiben, weil sie nie die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen.
Mir wurde dabei schnell klar, dass Sprache weit mehr ist als Grammatik und Vokabeln. Sprache bedeutet Selbstständigkeit. Sie ermöglicht den ersten Einkauf, den Termin beim Arzt, das Gespräch mit den Nachbarn oder den Einstieg in den Beruf. Sie schafft Orientierung, gibt Sicherheit und eröffnet neue Perspektiven.
Diese Zeit hat meinen Blick auf Menschen verändert. Hinter jeder Fluchtgeschichte steckt ein persönliches Schicksal. Hinter jedem Lernfortschritt steckt Mut, Fleiß und der Wunsch, sich ein neues Leben aufzubauen.
Bis heute bin ich davon überzeugt, dass Integration dort beginnt, wo Menschen miteinander sprechen. Deshalb sind Sprache, Bildung und gegenseitiger Respekt für mich wichtige Grundlagen eines guten Zusammenlebens.