Miteinander statt nebeneinander

Zu den Menschen, die mich besonders geprägt haben, gehören meine Oma und meine Tante.

Meine Oma ist leider viel zu früh verstorben. Danach hat ihre Schwester vieles übernommen. Sie war für mich weit mehr als eine Großtante. Ich habe unzählige Stunden bei ihr verbracht. Im Garten, beim Rasenmähen oder bei der Arbeit als Selbstversorgerin. Dort habe ich gelernt, dass Gemeinschaft oft in den kleinen Dingen entsteht. Man hilft sich, nimmt sich Zeit füreinander und ist füreinander da.

Meine Tante war nie allein. Nicht, weil das selbstverständlich war, sondern weil wir sie regelmäßig besucht haben. Oft sind wir gemeinsam zu ihren Freundinnen gefahren, haben Zeit miteinander verbracht, erzählt, gelacht oder einfach nur einen Kaffee getrunken. Rückblickend waren genau diese Momente oft viel wertvoller, als man in diesem Augenblick denkt.

Diese Erfahrungen haben mich geprägt. Sie haben mir gezeigt, wie wichtig Nähe, Aufmerksamkeit und Zeit füreinander sind. Gerade im Alter sind Begegnungen oft das Wertvollste, was wir schenken können.

Unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger haben ein Leben lang Verantwortung übernommen, Familien gegründet, gearbeitet, Vereine getragen und unsere Gesellschaft mit aufgebaut. Sie verdienen nicht nur Respekt und Anerkennung, sondern vor allem die Möglichkeit, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Denn soziale Teilhabe schützt vor Einsamkeit und stärkt Gesundheit und Lebensqualität. Begegnungsorte, Nachbarschaft, Vereine und ein aktives Miteinander leisten dazu einen wichtigen Beitrag. (BMBFSFJ⁠)

Als Bürgermeister möchte ich dazu beitragen, dass Obernkirchen eine Stadt bleibt, in der niemand übersehen wird. Eine Stadt, in der ältere Menschen selbstbestimmt leben können, in der Begegnungen gefördert werden und in der sich niemand allein fühlen muss.

Denn eine starke Gemeinschaft zeigt sich nicht daran, wie sie mit den Lautesten umgeht, sondern daran, wie sie für die Menschen da ist, die unsere Aufmerksamkeit am meisten brauchen.